Wie alles begann

Chronik

Nachdem das Fahrrad soweit entwickelt war und schließlich im Jahre 1900 von Sachs der Freilauf erfunden war, fanden sich am 26. Juli 1905 eine Anzahl junger begeiste­ter Radsportler in Hahndorf zusammen, um den Rad-Club „Germania“ zu gründen.

Gründungsprotokoll

Auf dem heutigen Abend wurde von einer Anzahl junger Männer eine Versammlung anberaumt, zwecks Gründung eines Radfahr-Clubs in unserem Ort.

Der Club wurde gegründet von 11 Mitgliedern und es wurde beschlossen denselben „Germania“ zu nennen.

Alsdann wurden die Vorstandsmitglieder gewählt:

 1. Vorsitzender  Robert Oppermann
 Schriftführer  Wilhelm Fricke
 Kassierer  Willi Cassebaum
 Fahrwart und 2. Kassierer  Wilhelm Lehrke
 2. Fahrwart  Alfred Lehnherr

die weiteren Mitbegründer waren

 Heinrich Ahrens  Gustav Ahrens
 Richard Sante  Heinrich Miehe
 Hermann Miehe  Heinrich Blumenberg

Für die Mitglieder, welche den Club mitgründen, wurde das Eintrittsgeld auf 1,00 R-Mark festgesetzt, für alle später eintretenden auf 1,50 R-Mark.

Der monatliche Beitrag beträgt 0,20 Pfennig. Es wurde beschlossen, Personen unter 17 Jahren nicht aufzunehmen.

Dann wurde der Antrag gestellt zwecks Anschaffung von Vereinsmützen. So erklärten sich vier Mitglieder bereit, einige Probemützen zu holen und in die nächste Versammlung mitzubringen.

Die nächste Versammlung wurde auf den 02. August bestimmt, alsdann wurde die Versammlung mit einem kräftigen „All Heil“ um 10.30 Uhr geschlossen.

ENDE GRÜNDUNGSPROTOKOLL

 Gründungsprotokoll  Gründungsprotokoll  Gründungsprotokoll

 

Damit war der Radclub „Germania“ Hahndorf aus der Taufe gehoben. Kurz nach der 1.Versammlung fand dann auch schon die 1.Vergnügungsfahrt (für uns heute Wanderfahrt) nach Lautenthal statt. Hierzu mussten Verbands- und Werkzeugkasten angeschafft werden. Außerdem wurde noch in jenem Begründerjahr mit dem Saalfahren natürlich mit normalen Fahrrädern) begonnen. Leider verlangte der Gastwirt eine Saalmiete von 50 Pfennig und für den Clubraum 10 Pfennig, so dass bald der Monatsbeitrag erhöht werden musste. Im nächsten Jahr folgten dann die ersten  Einladungen zu den benach­barten Radfahrer-Vereinen, denen natürlich Folge geleistet wurde.

Das erste Straßenrennen wurde im Jahre 1907 von Hahndorf nach Jerstedt und zurück durchgeführt. Um den Teilnehmern an diesem Rennen einen Preis überreichen zu können, musste 5 Monate vorher der Monatsbeitrag verdop­pelt werden. Weiterhin wurde ein Beschluß gefasst, alle bei Versammlungen und Übungsabenden ohne Entschuldigung fehlende mit 20 Pfennig, und mit Verspätung kommende mit 10 Pfennig zu bestrafen. Alljährlich wurde im Herbst eine Abschiedsfeier für die Sportkameraden durchgeführt, die sich zum Militärdienst einstellen mussten, welche später mit der Sedanfeier ver­bunden wurde.

BannerweiheAm ersten Preisfahren, welches vom Radfahrerverein Viktoria Goslar am 18. Oktober 1910 durchgeführt wurde, nahm auch der R.C.Germania Hahndorf teil. Im Dezember 1910 wurde die Anschaffung eines Banners beschlossen, der bei der Fahnenfabrik Dreyer in Hildesheim zum Preise von 115 R-Mark bestellt wurde. Im Mai 1911 fand dann die Bannerweihe statt.

Ausflugsfahrt 1913Das Fest der Bannerweihe verlief den Kassenverhältnissen zu entnehmen gut, denn es wurde im Jahr 1911 ein Überschuß von 126,93 R-Mark erwirt­schaftet. Dieser Überschuß war für die damalige Zeit enorm hoch. So wurden bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 noch viele Veranstaltungen besucht und selbst durchgeführt. Als letzte Vergnügungsfahrt (Wanderfahrt) 1913 steht die Fahrt nach Wernigerode verzeichnet.

Die letzte Hauptversammlung vor dem Krieg erfolgte Ende 1913 auf der eini­ge Neuwahlen stattfanden.

Dieser Vorstand bestand dann während der ganzen Kriegsjahre bis 1918.

Verheerend war der Ausfall an Mitgliedern, die nicht zurückkehrten. 

Es waren die Mitglieder:
Gustav Ahrens, Otto Wittig, Karl Peters, Ernst Wittig, Hermann Weber, Rudolf Sante, Heinrich Schaare, Gustav Plumeyer und Heinrich Fricke.

AusflugsfahrtIm Sommer 1919, ein Jahr nach dem 1.Weltkrieg wurde die erste Versammlung einberufen, auf der 22 Mitglieder erschienen, es wurde ein neuer Vorstand gewählt, der sich wie folgt zusammensetzte:

 1. Vorsitzender  Wilhelm Lehrke
 2. Vorsitzender  Albert Siems
 Kassierer  Wilhelm Heitefuss
 Schriftführer  Hermann Bosse
 1. Fahrwart  August Miehe
 2. Fahrwart  Albert Hausmann

Noch im Jahre 1919 wurden vier Radfahrerfeste besucht und ein eigenes Vergnügen mit Theateraufführung durchgeführt. Am 06. und 07. Juni 1920 fand das 15 jährige Stiftungsfest statt, hierzu wurden 14 Vereine eingeladen. Außerdem wurde in jenem Jahr eine Kasse für freiwillige Beiträge zum Kauf von 6 Saalrädern eingerichtet.

Doch die laufend angesammelten Beiträge in der Sonderkasse verloren durch die fortlaufende Inflation ihren Wert. Unter Punkt 1 in der Tagesordnung der Versammlung vom 02. Februar 1921 stand: Anschaffung von 6 Saalrädern. Von den Pantherwerken lag ein Angebot über den Preis der Räder vor. Doch kam nach lebhafter Debatte keine Einigung zustande, da es immer an der finanziellen Lage scheiterte.

Doch hierzu erklärte die 1.Reigenmannschaft, dass sie nicht mehr bereit sei, an Preissaalfahren teilzunehmen, da das Saalfahren mit den Tourenrädern keine Erfolge mehr verspricht. Die Beiträge wurden vom 1.März auf 1,00 R-Mark erhöht. Erst in der Versammlung am 21.März 1921, als sich die Gastwirte Hermann Homann und Fritz Grobe bereit erklärten, dass hierfür erforderliche Geld bis zum 2.Juli 1924 bereit zu stellen, kam es zum Beschluß die erforderlichen 6 Saalräder zu kaufen. Es verpflichteten sich 31 Mitglieder anteilmäßig für dieses Geld aufzukommen.

Die erste Anzahlung soll in Höhe von 50,00 R-Mark in der nächs­ten Versammlung erhoben werden. So wurden nach großen finanziellen Schwierigkeiten und langem Hin und Her die 6 Saalräder angeschafft und auf die Fahrer der 1.Reigenmannschaft aufgeteilt.

Im Januar 1922 konnte das von Herrn Gastwirt Fritz Grobe geliehene Geld 1.300,00 R-Mark zurückgezahlt werden. Radballspielen wurde nur denen gestattet, die einen einwandfreien Reigen fahren konnten. Im April 1922 trat der Club der neu gegründeten Vereinigung Nordharzer Radfahrer (Harzbezirk) bei. Jeder Verein musste der Vereinigung einen Preisrichter stellen, um bei allen Veranstaltungen neutrale Preisrichter zu haben. In den nächsten Jahren fanden recht viele Veranstaltungen statt. Laufend mussten die Beiträge durch steigende Kosten und der Geldentwertung erhöht werden. Ende 1923 betrug das Eintrittsgeld 5.000.000,00 R-Mark und der Monats­beitrag 20.000,00 R-Mark. Nach der Inflation wurde ab 1.Januar 1924 der Beitrag wieder auf 1,00 R-Mark festgesetzt. Auch damals schon ab 1924 fand das traditionelle Pfingsttreffen am Samstag am Waldesrand in demselben Rahmen statt, wie es noch heute in jedem Jahr von uns durchgeführt wird. Seinerzeit wurde auch schon zur Diskussion gestellt, ob man dem Bund Deutscher Radfahrer beitreten sollte, dem damals aber nicht stattgegeben wurde. Erst 1929 erfolgte der Eintritt in den BDR, nach vielen Diskussionen freiwillig durch Abstimmung.

25 jähriges RadfahrfestSomit mussten alle aktiven Fahrer die Versicherungs- und Mitgliedsbeiträge zum Bund selber tragen. Das 25-jährige Jubiläumsfest wurde am 29. Juni 1930 durchgeführt, zu dem 21 Vereine eingeladen waren. Folgende Wett­bewerbe fanden statt:

Straßenrennen über 30 km, Radballspiele, Reigen- und Korsofahren. Da nach den vom BDR herausgegebenen Wettfahrt­bestimmungen im Kunstreigenfahren höhere Leistungen gefordert wurden, sah sich die 2.Reigenmannschaft nicht in der Lage mit den vorhandenen Saalmaschinen einen Steigerreigen zu fahren. So wurden im April 1931 von der 2. Mannschaft 6 gebrauchte Saalräder von Radfahrerverein in Bündheim gekauft. Die hierfür erforderlichen 275,00 R-Mark wurden vom Fahrwart der 2. Mannschaft verauslagt und von der Vereinkasse lt. Beschluß vom 12.11.1931 in Raten wieder zurückgezahlt.

Die ersten Einladungen vom BDR über die beliebten Wander-und Radballspiele, sowie das Bergmeisterschaftsrennen Sennhütte, Auerhahn lagen vor, an denen sich alle Aktiven beteiligten.

 Hannover-Bothfeld Radfahrfest Bündheim  Radrennfahrer-Elite 

So wurde in den nächsten Jahren an allen vom BDR für den R.C. Germania in Frage kommenden Wettbewerben teilgenommen. Doch die Jahre nach 1933 bis 1939 brachten große Rückschläge. Der BDR wurde gleichgeschaltet und wurde in einen Radsport-Verband umgewandelt. Von nun an wurden die Jugendlichen immer mehr den Vereinen fernge­halten. Die sportlichen Veranstaltungen wurden hauptsächlich von älteren Mitgliedern bestritten. So musste unter anderem das 30-jährige Jubiläumsfest 1935, welches schon in allen Einzelheiten geplant und festgelegt war, wegen eines Gauparteitages in Hannover abgeblasen werden. Die sportlichen wie festlichen Veranstaltungen kamen bis zum Kriegs­ausbruch 1939 fast zum erliegen. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren ruhten alle Tätigkeiten im Verein.

aktuelle News